Ziffern 70, 75, 85 und 85 GOÄ: So rechnen Sie ärztliche Befunde, Bescheinigungen, Atteste, Arztbriefe und Gutachten richtig ab

Das Ausstellen von ärztlichen Stellungnahmen ist tägliche Routine in einer Arztpraxis. Denn viele Patienten bitten um Bescheinigungen für sich oder Dritte. Diese Bescheinigungen müssen nicht kostenlos ausgestellt werden. Es kommt jedoch auf die konkrete Anforderung oder Form an, wie eine ärztliche Stellungnahme abgerechnet werden kann. Zu Lasten der gesetzlichen  Krankenversicherung können Bescheinigungen nur dann abgerechnet werden, wenn sie auf definierten Vordrucken oder auf besonderes Verlangen der Kassen bzw. des Medizinischen Dienstes erstellt werden. Alle anderen Anfragen sind nach der Gebührenordnung für Ärzte GOÄ privat zu liquidieren – ggfs. zuzüglich der anfallenden Portokosten. Doch wann wird aus einem Kurzbericht nach Ziffer 70 GOÄ ein ausführlicher schriftlicher Krankheitsbericht nach Ziffer 75 GOÄ? Oder gilt eine medizinische Anfrage einer Privaten Krankenversicherung bereits als Gutachten nach Ziffer 80 GOÄ?  Dieser Beitrag soll hierbei ein wenig Licht ins Dunkel bringen und zeigen, wie und wann man eine ärztliche Stellungnahme nach den Ziffern 70, 75, 80 oder 85 GOÄ abrechnen kann.

 

Ärztliche Stellungnahmen können privat liquidiert werden. Ich zeige Ihnen, wie Sie die unterschiedlichen Bescheinigungen für Patienten nach den Ziffern der GOÄ korrekt abrechnen können.

Katja Faude
GOÄ-Expertin bei dgpar GmbH

Einfacher Befundbericht – mit Untersuchung abgegolten

Der einfache Befundbericht und die einfache Befundmitteilung sind gemäß GOÄ bereits mit der Gebühr für die Untersuchung bzw. zugrunde liegende Leistung abgegolten. Dies gilt für alle Leistungen der GOÄ.

Ziffer 70 GOÄ – Kurze Bescheinigung oder Krankmeldung:

Die Ziffer 70 GOÄ kann abgerechnet werden für folgende Leistungen:

  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • Ausstellen und Eintragung in einen Allergiepass
  • Ausstellen eines Impfausweises
  • Bescheinigungen für Schule, Arbeitgeber oder Kindergarten
  • Sportbefreiungen
  • Tauglichkeitsbescheinigungen

Der dgpar-Praxis-Protipp:

Informieren Sie Ihre Patienten im Vorfeld darüber, dass die Ziffer 70 GOÄ für das Ausstellen der Krankmeldung meist nicht Leistungsinhalt der Tarife der Versicherungen ist und somit durch den Patienten selbst gezahlt werden muss.

Ziffer 75 GOÄ – Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht:

Um die Ziffer 75 GOÄ abrechnen zu können, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt sein. Folgender Inhalt eines solchen Berichts ist somit obligat:

  • Anamnese
  • Befundmitteilung
  • Epikrise

Bei der Epikrise sollte eine ausführliche Zusammenfassung des bisherigen Krankheitsverlaufs inklusive aller stattgehabter Therapien erfolgen.

Der Befundbericht nach Ziffer 75 GOÄ bezieht sich immer auf den bisherigen Krankheitsverlauf.

Der dgpar-Praxis-Protipp:

Wird ein und derselbe Bericht an mehrere Ärzte oder den Patienten geschickt, so darf zwar die Ziffer 75 GOÄ nur einmal abgerechnet werden, die Portokosten hingegen dürfen je Empfänger auch mehrfach ansetzt werden.

Ziffer 80 GOÄ – Schriftliche gutachtliche Äußerung:

Eine gutachtliche Äußerung nach Ziffer 80 GOÄ liegt dann vor, wenn neben den für die Ziffer 75 GOÄ notwendigen Inhalten wie Anamnese, Befundung und Epikrise auch weitergehende Beurteilungen notwendig sind. Dies erfolgt meist auf Anfrage eines Kostenträgers oder eines Gerichts.

Ein Beispiel hierfür ist die Einschätzung der Prognose einer Krankheit oder die Beurteilung von Verletzungen nach einer Gewalttat oder eines Unfalls.

Der dgpar-Praxis-Protipp:

Pro angefangener DIN A 4-Seite dürfen Sie als Schreibgebühr zusätzlich die Ziffer 95 GOÄ abrechnen. Für die Kopien des Gutachtens ist je Seite die Ziffer 96 GOÄ anzuwenden!

Ebenso abrechenbar sind das Porto, sowie evtl. dem Gutachten beigefügte Befundkopien (0,50 € je kopierte Seite).

Ziffer 85 GOÄ – Schriftliche gutachtliche Äußerung mit einem das gewöhnliche Maß übersteigendem Aufwand:

Von einem „das gewöhnliche Maß übersteigendem Aufwand“ kann laut Kommentierung nach Brück gesprochen werden, wenn der Zeitaufwand für das Erstellen eines Gutachtens mehr als 30 Minuten beträgt. Hierbei darf die Ziffer 85 GOÄ je angefangene Stunde einmal berechnet werden. Dauert das Erstellen eines Gutachtens also beispielsweise 70 Minuten, dann dürfen Sie die Ziffer 85 GOÄ zweimal ansetzen.

Der dgpar-Praxis-Protipp:

Nicht nur das eigentliche Schreiben des Gutachtens, auch die Zeit der Befundung und/oder Recherche zählt zur Arbeitszeit hinzu!

Medizinisch erforderliche Untersuchungen dürfen selbstverständlich separat abgerechnet werden!

Auch hier bitte die Ziffer 95 und 96 GOÄ nicht vergessen!

GOÄ Ziffern richtig abrechnen: Privatärztliche Abrechnung durch die dgpar GmbH

Wenn Sie sich von den Tätigkeiten der privatärztlichen Abrechnung entlasten möchten, sind wir gerne für Sie da und übernehmen das komplette Honorarmanagement für Sie. Als privatärztliche Verrechnungsstelle verfügen wir über langjährige Erfahrung und Kompetenz zu allen Fragen rund um die Anwendung der GOÄ – in allen medizinischen Fachrichtungen. Da sowohl Therapieformen als auch der Fokus der Versicherungen über die Zeit Änderungen unterliegen, können Sie mit einem Honorarmanagement durch die dgpar GmbH eine optimale Honorierung Ihrer erbrachten Leistungen sicherstellen. Nutzen Sie auch unser kostenloses Angebot zur Überprüfung Ihrer GOÄ-Kodierung.

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Zur Person:

Unsere GOÄ-Expertin Katja Faude optimiert die Privatliquidation von niedergelassenen Ärzten und Chefärzten, und hilft bei allen Fragen rund um dieses Thema.

Nach ihrer medizinischen Ausbildung wechselte sie rasch in den Bereich der Abrechnung und ist dort nun seit mehr als 20 Jahren erfolgreich tätig.

„Sowohl Therapieformen als auch der Fokus der Versicherungen wechseln ständig. Bei der Privatabrechnung ist es deshalb immer wichtig up to date zu sein!“

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